Suggestofiktion

2003

Suggestofiktion spielt in Wirtschaft und Politik, in Wissenschaft, Kunst und nicht zuletzt im Privaten eine zentrale Rolle (ganz zu schweigen von der Religion, der Mutter aller Suggestofiktionen). Konsumgüter werden über die Aufladung mit modischen Bedeutungszuschreibungen zu Markenprodukten; Wirtschaftsunternehmen definieren sich mehr über ihre Corporate Identity als über die Qualität ihrer Produktion oder Arbeitsbedingungen; in der Politik haben ideologische Positionen einen höheren Stellenwert als sachorientiertes Handeln; in der Wissenschaft wird dem Traum von der objektiven Erklärbarkeit der Welt nachgehangen; in der Kunst wird die hohe Kunst der Sinn- und Bedeutungszuschreibung gepflegt – und im Privaten? Die Liebe ist eine der schönsten Suggestofiktionen. Bertholt Brecht hat dazu einen Dialog verfasst: „Was tun Sie“, wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“ „Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge, daß er ihm ähnlich wird.“ „Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „der Mensch.“

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