Der diskrete Charme des Kapitals
2026
Je reicher ein Viertel ist, desto weniger Menschen sieht man. Wer in einer Villa wohnt geht ohne Not nicht zu Fuß vors Haus. Die direkte Verbindung zwischen Wohnbereich und Garage ermöglicht das automobile Fortkommen mit kleinstmöglichem Kontakt zur Außenwelt. Man bleibt im Wagen bei sich, wie man im Villenviertel unter sich bleibt. Zäune, Mauern, Hecken, Sichtschutzvorrichtungen sind die Accessoires optimierter Abgrenzung. Bewegungsmelder, Kameras, Alarmanlagen performen Sicherheit.
Das Soziale der Villenbewohnenden bleibt innerhalb der Immobilie abgeschirmt. Man kultiviert die Isolation. Drinnen und draußen, das Eigene und das Fremde sind klar definiert. Man könnte Villen als Biotope eines asozialen Existentialismus beschreiben. Türen sind verschlossen. Fenster sind zu. Steht etwas offen, dann handelt es sich nicht um eine Einladung. Das Private changiert ins Beklemmende und verschwistert sich mit dem Unwirtlichen. Wer nicht dazu gehört, gleitet ab.
Menschen, die in Villen wohnen, leben unter kontrollierten Bedingungen. Der diskrete Charme des Kapitals lässt Außenstehende selbst im Sommer frösteln. Unvermittelt stellen sich folgende Fragen: Was hat das gekostet? Wie viele Menschen leben hier auf wie vielen Quadratmetern? In welchem Verhältnis steht das, was wir sehen, zu anderen Wirklichkeiten? Welche moralischen und sozialen Normen werden berührt?
"Der diskrete Charme des Kapitals" wurde im Winter 2025/26 realisiert. Es entstanden mehr als 80 Fotografien.
Exposé "Der diskrete Charme des Kapitals" mit ausgewählten Fotografien – Download PDF-Datei