Khuza
1995
Die Entdeckung der neolithischen Kultur der Khuza auf der Insel Olkhon (Baikalsee, Sibirien) mit Hilfe der suggestofiktiven Methode darf getrost als kulturgeschichtliche Sensation gewertet werden.
Das Volk der Khuza hat weit über Fachkreise hinaus Aufsehen erregt. Es verfügte nicht nur über ein einzigartiges Weltbild, auch seine rituellen, gesellschaftlichen und technischen Erfindungen hatten epochalen Einfluss auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Die Khuza-Kultur gibt uns entscheidende Anhaltspunkte zur Beantwortung jener drängenden Fragen, wer wir sind und woher wir kommen.
Die sagenumwobene Welt der sibirischen Khuza-Kultur regte die Fantasie des Publikums und der Kommentatoren an. „Der größte Clou!“, schrieb der Spiegel im Jahr 2000 in seiner Besprechung der Ausstellung „Sieben Hügel“ im Martin-Gropius-Bau, Berlin, über die dort vertretenen Khuza-Artefakte. Einen „Borderline-Skandal“ an der Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst erkannte die FAZ. Die umfassende Pressereaktion wurde in dem Buch „Khuza. Der Mythos – Die Debatte“ dokumentiert und ist in Auszügen auf www.khuza.de nachzulesen.
Claudia Pohl "Irrweg zur Mitte", Kunstforum International Bd. 202, 2010:
Klaus Heids Khuza-Arbeit kann als fiktionaler Entdeckungsbericht einer wahren Reise gesehen werden, als eine Spielart der Reiseerzählung wie beispielsweise Voltaires Entwicklungsroman "Candide", der auch eine satirische Auseinandersetzung mit den sozialen Phänomenen seiner Zeit beinhaltet. Es lassen sich noch eine ganze Reihe von jüngeren Autoren anführen, die mittels der modellhaften Beschreibung eines Staatswesens zugleich die eigene Zeit schildern wie etwa die düsteren, utopischen Zukunftsromane von George Orwell, Aldous Huxley und Ray Bradbury, deren entgegenutopische Visionen heute in Filmen wie Matrix (1999) einen neuen Höhepunkt finden.
Der Pressewirbel um die Khuza hat gezeigt, dass ein Kulturleben ohne gewisse Standards an Allgemeinbildung nicht möglich ist. Wenn die Kunst dies aufzuzeigen vermag, ist sie für kurze Zeit aus ihrem Ghetto entsprungen und vermag da mit den kulturellen Diskurs tatsächlich zu beleben. So muss man allen danken, die sich an der Debatte um die Khuza bei den "Sieben Hügeln" beteiligt haben. Gerade bei dem Erwartungsdruck, unter dem heute Museen und Ausstellunghäuser stehen, sollte das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kunst kenntnisreich analysiert werden, will man nicht aus Innovationsfeindlichkeit ein eher tristes und selbstgefälliges, denn kritisches und selbstreflektierendes Bild der Gegenwart entwerfen.
Khuza-Bücher:
1997 „Khuza. Ein Mythos aus Sibirien“, Heidelberger Kunstverein (vergriffen)
2000 „Khuza. Der Mythos – Die Debatte“, Badisches Landesmuseum Karlsruhe (vergriffen)
https://www.tuareg.de/khuza Original-Website aus den 1990er-Jahren, eingerichtet von Tomasz Thun, Dortmund
KHUZA. Ein Mythos aus Sibirien Der Dokumentarfilm zur Khuza-Forschung auf YouTube
Ausstellungen:
1996: Khuza, Kunstmuseum Singen
1996: un-frieden. sabotage von wirklichkeiten, Kunstverein/Kunsthaus Hamburg
1997: Khuza, Heidelberger Kunstverein
1997: Video- und Kunst-Archiv spiegel, Lothringer Straße, München
1998: Khuza, Adelhausermuseum für Völkerkunde (heute: Museum Natur und Mensch), Freiburg
2000: 7 Hügel. Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts, Martin-Gropius-Bau, Berlin
2000: Khuza, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
2005: Peripherie 3000, Hartware Medienkunstverein, Dortmund
2011: Staging Documentary, Lothringer13 Halle, München
2012: Kunst- und Wunderkammer revisited, Neue Galerie Landshut
2015: Videodox 2015, Spiegel-Mediathek, München
Vorträge:
1997: Künstlerhaus Stuttgart
1999: Kunstverein Ludwigsburg
1999: Volkshochschule Landshut
2000: multiple existenzen, Symposium Bauhaus Universität, Weimar